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Archive for the ‘Kulinarisches Einkaufen’ Category


Die Sonne scheint warm und der Duft von wilden Kräutern und Blumen hängt in der Luft. Wir befinden uns in der östlichen Lombardei. Ein Korken knallt und kühler, prickelnder Wein wird in elegante Kristallflöten eingeschenkt. Die Augen gleiten über den glitzernden Lago d’Iseo und die sanft hügelige Landschaft. Der Schaum hat sich beruhigt und bollicine steigen sanft und regelmäßig im Glas. Das dolce fa niente hat uns erfasst und wir freuen uns auf den erfrischenden Genuss unserer ersten Flasche Franciacorta. Annamaria Clementi 1997 lesen wir auf dem Etikett und versinken weiter in Urlaubsstimmung. Intensiver Duft von hellen Früchten und Vanille, weißer Schokolade und Brioche betört unsere Nasen. Maurizio Zanella heißt der Mann mit den Zauberhänden, der dieses Kunstwerk erschaffen hat. Wie auf einem Laufsteg der Eleganz stolziert Annamaria über unsere Gaumen und verwöhnt uns mit feinster Mineralik und minutenlangem Nachhall von reifer Würzigkeit. Auf Ca‘ del Bosco erzeugt Zanella neben Annamaria Clementi die nicht weniger beeindruckende Dosage Zéro und den exzellenten Tdf Chardonnay.

Schaumweine (spumante auf Italienisch) werden in ganz Italien produziert. Jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten, ihre eigene Handschrift. Diese Vielfalt trägt dazu bei, spumante zu einem höchst interessanten, ja spannenden Erlebnis zu machen. Die knackigen, prickelnden italienischen Schaumweine werden im deutschsprachigen Raum oft irrtümlich allesamt Prosecco genannt. Dabei ist Prosecco nur eine von vielen Rebsorten und wird hauptsächlich im Valdobbiadene und Conegliano im benachbarten Veneto angebaut. Diese Weine sind leicht, aromatisch und jung zu trinken. Prosecco wird auch als „Frizzante“ (Perlwein mit weniger Kohlensäure) produziert. Ganz Franciacorta produziert drei Millionen Flaschen jährlich, etwa gleich viel wie ein einziger Prosecco Großproduzent in Venetien.

Franciacorta produziert Italiens prestigereichste Schaumweine und steht in edlem Wettstreit mit französischem Champagne. Klassischer Chardonnay, Pinot Nero (Blauburgunder) und Pinot Bianco (Weißburgunder) werden sorgfältig kultiviert und sind die einzigen erlaubten Rebsorten für die Schaumweine aus Franciacorta bei Brescia. Wie beim Champagne werden die Weine nach ihrer geografischen Herkunft und nicht nach ihren Rebsorten benannt. Die klassische Metodo Tradizionale bestimmt die Produktion. Fertige Stillweine werden zusammen mit Hefen und Traubenmost in schwere Flaschen abgefüllt, wo sie eine zweite Gärung durchmachen. Hermetisch abgeschlossen, kann die entstehende Kohlensäure nicht entweichen und verbindet sich mit dem Wein. Je nach Dauer des Hefekontaktes werden die daraus entstehenden Schaumweine komplex, cremig, und hochelegant. Die gesetzlichen Regeln für Franciacorta sind noch anspruchsvoller als die für Champagne. Schaumweine ohne Jahrgangsangabe müssen mindestens achtzehn Monate auf der Hefe lagern und millesimato (Jahrgang) muss mindestens dreißig Monate auf der Hefe verweilen. Die allerbesten Franciacorta reifen mindestens drei Jahre bevor sie in den Verkauf gelangen.

 Bellavista war das erste Weingut das einen reinsortigen Chardonnay produzierte, jetzt in ganz Franciacorta als Satèn bezeichnet. Ausgezeichnete Abfüllungen sind auch der Ferghettina Satèn Millesimato und der von Enrico Gatti. Franciacorta Rosé beinhaltet mindestens 15% Pinot Nero. Die meisten Franciacorta sind brut (trocken), mit Düften die an Mandelblüten, Vanille und reife gelbe Früchte erinnern. Eine Kategorie von Franciacorta die keine dosage bekommt ist knochentrocken und wird als pas dosé oder dosage zero bezeichnet.

 Wir bestellen in bester Laune noch eine Flasche und die appetitanregende Wirkung des Spumante macht sich bemerkbar. Bei den letzten Sonnenstrahlen bringt man uns einen Berg von frischen Meeresfrüchten und zarten Fisch aus dem Lago. Annamaria Clementi begleitet uns in die Nacht, die noch lange nicht zu Ende sein wird.

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Château d'Yquem

Meinten Sie, dass Chateau d’Yquem ein Meditationswein ist? Vielleicht nur in einer ernsthaften Runde andächtig verkostet wird? Ich kann Ihnen nur herzlichst wiedersprechen. Gerade stehe ich noch unter dem Eindruck von einigen Gläsern dieses wohl kultigsten Süßweines unserer Zeit. „A volonté“ hat es geheißen – so viel Sie wollen. Das war mein Verständnis der einladenden Worte. Ort des Geschehens war das Grand Théatre in Bordeaux, Gastgeber Pierre Lurton, bei dem ich schon gestern den wollüstigen Chateau Cheval Blanc 2009 trinken durfte. Ganz schön dekadent diese Leute im Bordelais. Nun genug der Worte und zur Sache. Chateau d’Yquem 2009: Cremiges zart schmelzendes Elixier, Duft nach reifem saftigem gelbem Pfirsich, Orangenblüten, jugendliche Unruhe, fast hätte mich die Nervigkeit des Weines nervös gemacht. Zudem noch diese konzentrierte Intensität der Süße, für einen sensiblen Gaumen kaum auszuhalten. Die Lösung? Zuerst eine Jakobsmuschel mit Passionsfrucht und Fleur de Sel, die feine Salzigkeit verschaffte mir nur einen Moment Erleichterung. Nachhaltig wirkte erst ein Happen Bayonner Rohschinken auf Pamesanmarmelade, der die Wildheit des Süßweines zähmte. Nicht dass Sie mich für einen Masochisten halten, aber ich musste noch ein zweites Glas haben. Ich hatte bereits die nächsten Sparring-Partner ausgemacht, die mich unwiderstehlich anlachten. Der Hummer auf Vanille und Radieschen, sowie ein Mascarpone mit Trüffel ließen mich den Wein erträglich erscheinen. Und tatsächlich, es verhalf mir zum Verlangen nach einem weiteren Glas Wein, das mit Fois gras natur ausgezeichnet mundete. Na ja, Klassiker soll man ja nie auslassen. Zur Illustration des 2009 hat man ihm seinen Bruder aus dem Jahr 1989 zur Seite gestellt. Mit seiner attraktiven Bernstein Farbe, dem Signal von Ausgewogenheit und Reife, zog er mich unwiderstehlich an. In der Nase Bergamotte und geröstete Mandeln, am Gaumen diese unvergleichliche mürbe Süße. Wie von Geisterhand näherte sich mir eine Fois gras mit Ribisel in Rotweingelee, gefolgt von einer Makkarone mit Trüffelcreme. Ich fühlte mich so eins mit der Welt, Schwerelosigkeit erfasste mich und ich begann zu entschwinden. Gerade rechtzeitig erreichte mich noch ein zart würziger Duft – einem Vacherin sei Dank weile ich noch im Diesseits. Das verlockende Lachs Sashimi mit dem trockenen „Y“ wollte ich nun nicht mehr probieren und verließ den gastronomischen Ort hinaus in den atlantischen Regen.

Herzlichst ein völlig erschöpfter Wellington

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Ich sitze gerade bei Denis Dobourdieu auf Chateau La Lagune und höre warum der Jahrgang 2009 so außergewöhlich ist:

  • 2009 erfüllt, fast in Perfektion, alle fünf notwendigen Voraussetzungen für einen großen Bordeaux Rotweinjahrgang:
  • Frühe Blüte und Fruchtansatz Anfang Juni gefolgt von heißem, sonnigen und relativ trockenem Wetter.
  • Veraison fand ebenfalls früh statt – beginnend Ende Juli.
  • Optimale Reife Dank heißem Wetter mit passendem Regenfall im August und September (und vor allem trockenen Wetter im Medoc).
  • Schlußendlich fand eine Traumernte Ende September und Oktober bei ungewöhnlich trockenem Wetter statt. Diese Bedingungen ermöglichten es, den idealen Lesezeitpunkt abzuwarten.

 

Nach drei Tagen in Bordeaux nun ein erster Überblick:

Sauternes 2009
Die Lese fand ausßergewöhnlich früh statt und dauerte kurz.  Die Lese begann wie immer mit einer Vorauslese, zwischen dem 10. und 17. September.
Vom 18. bis 20. September gab es Regenfall gefolgt von einigen nebeligen Tagen. Die Süßweinlese startete am 28. September und dauerte bis 20. Oktober – gerade als wieder der Regen einsetzte! Die Lese erforderte erstaunlich wenige Durchgänge – meistens nur zwei oder drei. Die Trauben hatten einen so idealen Botrytisbesatz, dass sie eine unerreichte Konzentration für eine so große Menge erbrachten.

Die Weine sind unglaublich füllig und cremig, mit enormer Dichte und Tiefgang. Sie zeigen alle Attribute, die ich mir von einem perfekten Süßwein erwarte: Konzentrierte Süße in leichtfüssiger Balance mit eingebundener Säure. Aromatische rein und von großer Klarheit. Die Weine sind ein faszinierendes Geschenk der Jahrganges und der jahrhunderte alten Erfahrung der Produzenten.

Liebe Leser,

Morgen geht es weiter mit den Weinen von Pomerol und St.-Emilion!

Ihr Wellington

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Dieser kleine Lebensmittelhandel an der Ecke von Highway 29 und der Oakville Kreuzung wurde 1881 für die Bedürfnisse der Goldgräber gegründet und genießt inzwischen Kultstatus für Wein- und Gourmettouristen. Ein Picknick beim Weingut gehört zur Napa Valley Weinkultur und fast jedes Weingut hat „Picknick Grounds“, hübsch bepflanzte Gärten mit Holztischen und Bänken, wo man die ab Hof gekauften Weinen zu mitgebrachten Speisen genießen kann. Am besten kauft man seinen Gourmetkorb bei der Oakville Grocery.

Man hat eine große Auswahl an heimischer Feinkost, oft von Bio-Produzenten: köstliche Käse von heimischen Bauern, Wildlachs gefangen und geräuchert von Ureinwohnern, Fleisch- und Fischspezialitäten, Salate und das berühmte kalifornische Obst und Gemüse. Zum Mitnehmen oder zum Genuss direkt auf der Oakville Grocery Sonnenterrasse gibt es köstliche Sandwiches, z. B. geräucherter Truthahn und Brie mit Dijonsenf, Mayonnaise und roten Zwiebel auf weißem Sauerteigbrot oder gebratene Tomaten, Kalmata Oliven, Artischockenherzen, Feta, roten Zwiebel und Rucola auf Focacciabrot für jeweils $ 8,95. Auf Vorbestellung bekommt man das „Wine Country Picnic Box Lunch“ für $ 17,95 bzw. $ 21,95: marinierte, gegrillte Hühnerbrust oder gegrillter Wildlachs mit Pasta Salat, Gemüsespezialitäten, Oliven, Baguette und ein gigantisches Cookie.

Oakville Grocery

7856 St. Helena Highway

Oakville, CA 94562

Tel: +1 707 944-8802

Fax: +1 707 944-1844

Öffnungszeiten: täglich 8.00-18.00 Uhr

www.oakvillegrocery.com

Julia7ich

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Neben den sieben Käsesorten aus eigener biologischer Produktion kann man auch andere Käse und Gourmetspezialitäten von kleinen Produzenten mit ähnlicher umweltfreundlicher Philosophie kaufen.

Die sympathischen Girls vom Land, Sue Conley und Peggy Smith, gründeten die “Cowgirl Creamery” 1997 in Point Reyes Station, eine Stunde Autofahrt nördlich von San Francisco. Angefangen haben sie mit einer guten technischen Ausstattung in einer alten Scheune, die inzwischen recht hübsch renoviert ist. Sie kauften damals und heute biologische Milch von Nachbarn, der Straus Family Dairy, und Kritikerlob ließ nicht lange auf sich warten. „Mt. Tam“ (280 g, $ 19) ist ein geschmeidiger, cremiger Weichkäse mit mildem erdigem Geschmack, der an weiße Champignons erinnert. „Red Hawk“ (340 g, $ 19) ist ein würziger Rotschmierkäse. „St. Pat”(280 g, $ 19) ist ein Frühjahrskäse, der drei Wochen mit Brennnessel affiniert wurde. Inzwischen gibt es einen Shop mit Feinkost und Vinothek, wo man die köstlichen Spezialitäten mitnehmen oder auch vor Ort genießen kann. Neben den sieben Käsesorten aus eigener biologischer Produktion kann man auch andere Käse und Gourmetspezialitäten von kleinen Produzenten mit ähnlicher umweltfreundlicher Philosophie kaufen. Durch eine große Glaswand im Shop kann man den Cowgirls beim Käsemachen zuschauen oder noch besser bucht man die wöchentliche Tour am Freitag um 11.30 Uhr. Reservierung empfohlen.

Cowgirl Creamery at Tomales Bay Foods

80 4th Street

Point Reyes Station, CA

Tel: +1 415 663 9335

Öffnungszeiten: Mi-So 10.00-18.00 Uhr

http://www.cowgirlcreamery.com

Julia7ich

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Zuerst exportierten Dafne und Mats Engstrom Flusskrebse von Kalifornien ins heimatliche Schweden. Dann entdeckten sie, dass der Stör in den kalifornischen Gewässern beheimatet ist und die Fischer ihren Katzen mit Rogen fütterten! Mit der nahezu Vernichtung der Störpopulation im Kaspischen Meer hat das schwedische Paar die Chance ergriffen und eine umweltverträgliche nachhaltige Kaviarproduktion entwickelt. Ihr „California Estate Osetra“ genießt hohe Anerkennung von Haubenköchen und internationalen Kritikern. Im San Francisco Ferry Building kann man luxuriöse Kaviar und Stör Spezialitäten aus Kalifornien und dem Rest der Welt in Engstroms Tsar Nicoulai Caviar Café genießen. Die Besucher sitzen an der U-förmigen Bar und wählen Champagner und internationale Schaumweine aus einer mit großen Eiswürfeln gefüllten silbernen Champagnerschüssel. „The Connoisseur“ ist eine großzügige 140g Portion von fünf verschiedenen kalifornischen Kaviarsorten, Buchweizen Blinis und Crème Fraiche für $ 58. Etwas günstiger ist der „Infused Sampler“ mit ebenfalls einer 140 g Degustationsportion mit seinen Beilagen. Hier ist der Kaviar mit dem natürlichen Geschmack und Farbe von Roten Rüben oder Safran, Wasabi, Trüffel oder Brandwein verfeinert. Ein Erlebnis sind die Stör Sashimi ($ 15) serviert über einer Glaskugel mit lebendigen Fischen. Die Fische sind jedoch nur zur Dekoration und landen wieder im Fischtank.

Tsar Nicoulai Caviar Café

1 Ferry Building #12

San Francisco, CA 94111

Tel: +1 415 288 8630

Öffnungszeiten: Mo-Do 11.00-19.00 Uhr, Fr 11.00-20.00 Uhr, Sa 9.00-19.00 Uhr, So 11.00-17.00 Uhr

http://www.tsarnicoulai.com

 Julia7ich

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