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Die Küche von Jean-Claude Bourgeuil gehört nach wie vor zu den Höhepunkten Düsseldorfs. Mit Vergnügen absolvierte ich meinen jährlichen Pflichtbesuch.

Gleich zur Sache. Der Abend startete mit einem Prolog von „Paris-Kyoto“ – herrliche Kleinigkeiten zur Einstimmung auf eine exotische Reise. Die kleinen Gourmandisen ließen bereits die Klasse aufblitzen, mit der in diesem Haus die Liaison von französischer und japanischer Küche interpretiert wird. Ein Bild für Götter war die „Offrande aux Dieux Aztèques“ mit den Gaben Piment, Gold und Kakao. Im Mittelpunkt dieses Hors d’Oeuvres stand die Gänseleber, die mir mit den fremdländischen Zutaten neue Dimensionen an verschmelzenden Aromen bescherte. Für mich hatte das Gericht fast intellektuellen Charakter und bestätigte Herrn Bourgeuil als Philosophen unter den Altmeistern der Küchenchefs in Deutschland.

Auf der Zunge zerging das Sashimi vom Saint-Pierre mit weißem und grünem Spargel aus der Provence mariniert mit mildem Espelette-Pfeffer und aromatischer Yuzu-Zitrone. Von ausgesuchter Feinheit war der bretonische Hummer mit Zedernholz geräuchert begleitet von einem Salat von eingelegten Mango mit Thaikräutern – ein Paradebeispiel für Fusionsküche. In dieser Tonart ging es weiter mit einem Tatar von Carabineros [blassrote Tiefseegarnelen] und Jabugo-Schinken mit Miso-Suppe. Es folgte eine gegrillte Schnitte vom Seewolf im Kombu-Sud [Seetang] mit Perlgraupen und Backpflaumen. Diese vier Gerichte versetzten mich weiter in absolute Hochstimmung und hatte ich das visuelle Gefühl eines aromatischen Feuerwerks.

Sie vermissen meine Weinauswahl? Wir waren eine vinophile Runde und gönnten uns einige klassische Weine: 2009 Riesling Hermannshöhle GG von Dönnhoff, 2007 Riesling Kirchspiel von Wittmann, 2005 Pouilly-Fuissè AC La Roche Reserve von Barraud (aus Vergisson) und 1990 Roussanne VV von Beaucastel. Den letzteren bestellte ich Gott sein Dank irrtümlich – ich hatte noch nicht alle Vorzüge der neuartigen Weinkarte erkannt: das iPad hatte Einzug gehalten! Eigentlich wollte ich einen roten Chateauneuf-du-Pape, übersah aber die grüne Flasche, die der Zeile vorangestellt war. Es soll mir nie was Schlimmeres im Leben passieren.

Ein weiteres Highlight war der Hauptgang mit „Pigeon Gauthier poellé en Bastilla“ (Gegrillte Taube in Schnepfenjus) mit Dattelpurée und Ingwer. Dazu gab es einen ernsthaften 1994 Grand-Puy-Lacoste, der beinahe nicht mit dem hedonistischen Geflügel mit konnte (hatte ich mir jedoch selber ausgesucht). Lieber Leser, welche alternativen Wein hätten Sie als Begleitung gewählt?

Sehr klassisch französisch endete das Menü mit einer Komposition von Rhabarber und einem Gelée vom Celebris Champagne Rosé von Gosset sowie einem erfrischenden Sorbet. Leicht und beschwingt klang der Abend aus. Es war ein langer Tag.

Fazit: An diesem Abend ein würdiges Restaurant mit einer Drei-Sterne-Leistung und mit allem was dazu gehört.

93 Punkte                  Küche: ****              Wein: !!!!

 

Restaurant Im Schiffchen

Küchenchef: Jean-Claude Bourgeuil

Kaiserswerther Markt 9

40489 Düsseldorf

Deutschland

Tel. +49 211 40 10 50

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag

Abends jeweils ab 19.00 Uhr

geschlossen: Sonntag und Montag

 

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