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Offensichtlich sollte man nicht zu kurz hintereinander ins selbe Restaurant gehen, der zweite Blick ist meist nüchterner. Es ist eine der Top-Adressen Österreichs, schon zu Beginn der Brotwagen lässt keine Wünsche offen und man muss aufpassen, sich nicht zu übernehmen. Und an dieser Stelle noch ein Tipp: Bauen sie Käse in ihre Menu- oder a la carte Entscheidung mit ein; das Angebot vom Wagen ist an Auswahl, Präsentation und Reife jedem Spitzenrestaurant in Frankreich ebenbürtig. Die Speisenkarte bietet ein Menu mit jeweils zwei Wahlmöglichkeiten pro Gang – und hier muss ich beginnen, meine beiden letzten Besuche zu differenzieren. Der erste Abend, eine durchwegs positive Erfahrung, die Euphorie des geschätzten André Cis im Gourmet Snapshot vom April also nachvollziehbar. Mariazeller Saibling mit Risi Pisi, Beta Sweet Karotte und grünem Apfel, der Saibling in Traubenkernöl mit Pistazien und Koriander konfiert. Nur das Erbsenschoten- und Beta Sweet Karottenpulver ist ein unnötiger Sphären-Ausflug. Der Stör mit Meeres-Kopfsalat hervorragend kombiniert – das dezente Aroma nach Krustentieren ist eine ausgezeichnete Ergänzung zum Fisch. Dann das Highlight des Abends, Lamm-Herz mit Herbstpilzen, Brokkoli und Pastinake; das Lammherz ist eingekocht mit Champignons, Schalotten, Rotwein, Salzzitronen, Kapern, Sardellen und Lammblut. Dazu ein 76er Aloxe Corton, der auch ausgezeichnet zur gebratenen Taube mit knuspriger Hirse und mit Taubenklein, Gänseleber und Champignon gefülltem Butterteig harmoniert. Auch Adi Schmid ist an diesem Abend sehr gesprächig, kommt doch unsere Weinauswahl seinen Vorstellungen entgegen. Somit wäre alles in Butter und einer hohen Bewertung (95 Punkte) stünde nichts im Wege… wäre da nicht der zweite Besuch, ca. drei Wochen später. An diesem Abend lassen wir uns die Weine von Adi Schmid empfehlen; Vorgaben – reifer Grüner Veltliner und – wieder – klassischer Burgunder. Mit dem 99er Honivogl von Hirtzberger haben wir dieselbe Wellenlänge, auch wenn dieser mit €120,- großzügig kalkuliert ist. Der 2002 Littorai von Savoy Vineyard aus Kalifornien mit hat mit einem klassischen Burgunder allerdings nichts gemein – vordergründig, überladen, 14,5% Alkohol und eine stichige Nase nach Weinbrand (wir fragen uns, ob ihm das wirklich schmeckt). Nach unserer vorsichtigen Kritik in diese Richtung ist es mit der Gesprächigkeit von Herrn Schmid vorbei und den Weinservice übernehmen die „Reserve-Sommeliers“. Das Menu ist enttäuschend, die Gänge langweilig. Bereits der erste Gang – Vogelmiere (Wildkraut) mit Sauerampfer, Tripmadam (säuerlich schmeckendes Küchenkraut), Bärlauchsprossen und Wildhend‘l – weckt Verwunderung. Es ist ein besserer Hendlsalat, nur mit ausgefallenen Zutaten. Der nächste Gang zeigt wieder, was in der Küche steckt: Spanferkel-Backerl mit Kohlrabi, Rhabarber und Latschen. Die Spanferkel-Backerl in Buttermilch und Latschen gekocht, im Ingwerwasser eingelegter Rhabarber und Bucheckern-Knusper, alles perfekt, von der Idee bis zur Ausführung. Die anschließende Kalbszunge mit Waldmeister und als Hauptgang die Spitzmorcheln mit Wiesenkerbel wiederum sind nichtssagend und auch das Dessert, Bolero-Karotte mit Hafer, Hanf und Estragon klingt interessanter wie es schmeckt. Und das ist auch der Eindruck, den wir an diesem Abend mitnehmen – außergewöhnliche Ingredienzien und viele Komponenten pro Teller, aber der Geschmack kommt zu kurz. Und dann noch ein Wort zum Service. Es schleicht sich eine Lässigkeit ein, die in einem Restaurant dieser Klasse nicht angebracht ist. 92 Punkte Küche: **** Wein: !!!! Restaurant Steirereck Am Heumarkt 2A / im Stadtpark A-1030 Wien Tel: +43(0)1 713 31 68 Fax: +43(0)1 713 31 68 2 Montag bis Freitag von 11:30-14:30 Uhr und ab 18:00 Uhr. Feiertag geschlossen Menü von 118€ bis 128€.

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